TSV Sattelpeilnstein e.V.

TSV Sattelpeilnstein e.V.

Chronik der Gründung vor 50 Jahren 

(aufgezeichnet von Gründungsmitglied Josefine Schauer-Deser) 

 

Alles begann Anfang Januar 1970 an einem Mittwoch. Mittwoch war damals immer Stammtischtag bei uns in der Schlossgaststätte Schauer in Sattelpeilstein. Zu diesem Stammtisch trafen sich nicht nur die Bewohner aus dem Dorf, sondern dieser Tag war ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem aus den umliegenden Gemeinden und sogar auch aus Cham immer wieder Gäste zu uns kamen.  

An einem dieser Mittwochabende erschien Hermann Peinkofer bei uns und wollte mit mir sprechen. Er sagte wortwörtlich zu mir: „Ich möchte einen Sportverein in Sattelpeilnstein gründen und du musst dabei mitmachen, denn du bist ja Sportlehrerin!“ Daran kann ich mich noch gut erinnern. Ich war sehr überrascht. Sportverein hat damals Fußballverein geheißen, weil es nur diese Sparte gab. Was hatte da eine junge Frau mit 20 Jahren wie ich dabei zu suchen? Schnell war darüber eine Debatte im Gange und mein Vater und meine Mutter fanden die Idee gut und sagten sofort ihre Unterstützung zu. Sie überzeugten mich, dass ein Sportverein eine gute Sache sei und so sagte ich Hermann meine Hilfe zu. Damit war ich von Anfang an fest engagiert in Sachen Sportverein und sollte nicht nur die Gründung, sondern alle Höhen und Tiefen der ersten acht Jahre hautnah miterleben. 

 

 

Die Informationsveranstaltung 

 

Am Mittwoch, 28. Januar 1970, fand im Gasthaus „Mühlbauer“ in Sattelpeilnstein eine Informationsversammlung statt, bei der über die Gründung des Sportvereins beraten und abgestimmt werden sollte. Ich kann mich noch gut erinnern, dass die Gaststube brechend voll mit interessierten Bürgern war. Sepp Bucher, der Kreisjugendpfleger, war auch eingeladen und gab einen ausführlichen Bericht über die sportliche Situation im Landkreis Cham ab. Von einer Gründung eines Sportvereins in Sattelpeilnstein riet er jedoch ab. Einige pessimistische Stimmen gaben ihm Recht. Darunter war auch der Lehrer Pöllinger, der als Presseschreiber für das Bayerwald-Echo anwesend war. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, dass er wortwörtlich sagte: „Sattelpeilnstein ist ein vereinsmüdes Dorf und ein Sportverein wird da nicht lange Bestand haben.“ 

Trotz dieser gegenteiligen Meinungen gab es aber auch eine Anzahl von Befürwortern und man stellte eine kommissarische Vorstandschaft auf, die Mitglieder anwerben und die Gründungsversammlung vorbereiten sollte. Dazu traf man sich mehrmals in der Schlossgaststätte meiner Eltern. Da meine Familie von Anfang an für die Gründung eines Sportvereins war, war sie deshalb auch bereit, eines ihrer besten Grundstücke an der Forststraße Sattelpeilnstein-Boden kostenlos für den Spielbetrieb zur Verfügung zu stellen. 

 

 

Die Gründung 

 

So konnte am Sonntag, den 19. April 1970, im Gasthaus „Mühlbauer“ unter großer Beteiligung der Bevölkerung der TSV Sattelpeilnstein gegründet werden. Die Namensgebung „Turnsportverein“ war ein Vorschlag von Hermann Peinkofer, der einstimmig angenommen wurde. Ich selbst habe mich sehr für diese Namensgebung engagiert, denn ich wollte unbedingt, dass es nicht nur ein Fußballverein werden und bleiben sollte. Die erste Vorstandschaft setzte sich wie folgt zusammen: 
1.Vorstand Hermann Peinkofer, 2. Vorstand Arnold Tiedemann, Kassier Fritz Häusler, Schriftführerin Josefine Schauer, Jugendleiter Rudolf Blüml. Als Beisitzer wurden ernannt: August Sedlmeier, Adolf Sippenauer und Max Oischinger. Die Euphorie und Sportbegeisterung an diesem Tag waren groß. Das zeigte die Summe von 301 DM, die von den Anwesenden an diesem Tag für den neuen Verein gespendet wurde. Damit war der erste finanzielle Grundstock des Vereins gelegt. Mit der Gründung habe ich handschriftlich ein Chronikbuch angelegt, in welchem alle wichtigen Ereignisse festgehalten werden sollten. Dieses Buch existiert noch heute. 

 

 

Zahlreiche freiwillige Helfer 

 

Es folgten viele arbeitsreiche Tage für die neue Vorstandschaft. Es sollte der Spielbeginn vorbereitet werden. Durch den Einsatz vieler freiwilliger Helfer und durch die finanzielle Unterstützung vom 1.  Vorstand Peinkofer konnte der Spielplatz hergerichtet werden. In der ersten Mitgliederversammlung am 17. Juni 1970 wurde über Sportdress und Spielgeräte abgestimmt. Man entschied sich für die Dressfarbe Blau-Weiß. Arnold Tiedemann stiftete für 13 Spieler der ersten Mannschaft die Dresse und die Brauerei Schauer für die Jugendmannschaft. Fußbälle wurden von Michael Mühlbauer, August Sedlmeier und vom Sporthaus Beer in Cham gestiftet. Die Tore für den Fußballplatz stellte die Firma Scheitinger aus Sattelbogen kostenlos zur Verfügung.  

 

 

Das erste Punktspiel in Sattelpeilnstein 

 

Am 23. August 1970 war es dann endlich soweit: Das erste Punktspiel TSV Sattelpeilnstein gegen den SV Weiding konnte stattfinden. Vorstand Peinkofer hatte auf seine Kosten die Blaskapelle „Die Weißensteiner“ organisiert und um 13 Uhr erfolgte der Abmarsch der beiden Mannschaften vom Gasthaus und Vereinslokal „Mühlbauer“. Es war ein Freudentag für die Sattelpeilnsteiner. Unter großer Beteiligung der Bevölkerung marschierten die Sportler zu den Klängen der Blasmusik die Schlossgasse hinauf und hinaus auf den Sportplatz. Dass sie das erste Spiel und viele weitere noch verlieren sollten, minderte damals die Begeisterung in keiner Weise. 

 

 

Viele Aktivitäten und Theaterspiel 

 

Mit Elan startete der neugegründete Verein in das neue Vereinsjahr mit zahlreichen Aktivitäten wie Christbaumversteigerung, Weihnachtsfeier und Sportlerball. Trotz der Einnahmen brauchten wir weiteres Geld für unsere Vereinskasse. Deshalb wurde von Hermann Peinkofer angeregt, ein Theaterspiel aufzuführen. Die Einstudierung übernahm ich, da ich wusste, wie dringend wir Einnahmen brauchten. Ich hatte schon immer mit Leidenschaft in meiner Schul- und Studienzeit Theater gespielt und stürzte mich mit Elan in die neue Aufgabe. Wir gründeten eine Laienspielgruppe des TSV, die sich schließlich aus folgenden Personen zusammensetzte: Oskar und Gisela Vogl, Elisabeth Stahl, Hubert Scheloske, Erwin Boin, Manfred Gammer, Engelbert Schiegl, Leo Daiminger, Veronika Gammer, Hans Stocker, Hans Schmid und Josef Dietl. Es existiert von dieser Gruppe noch ein Foto, das ich damals für die Chronik aufgenommen habe. 

Die erste Aufführung am 28. April 1971 am Nachmittag und am Abend wurde ein voller Erfolg. Das Ereignis fand im Wirtssaal in Sattelpeilnstein statt. Der Besucherandrang war riesig. Der Saal war so brechend voll, dass viele Besucher keinen Platz mehr bekamen. An diesen ersten Vorstellungstag erinnere ich mich noch besonders gut. Die Aufregung war riesengroß, nicht nur bei den Spielern, sondern auch bei mir. Für uns alle war es eine Premiere! Der Dreiakter „Das Dorfmanöver“ lief wie am Schnürchen und die Spieler entpuppten sich nicht als Anfänger, sondern als richtige Profis. Der Saal erbebte immer wieder unter den Lachsalven der Zuschauer. Dann kam der Einakter „Das Geständnis im Kartoffeldämpfer“. Dazu hatten wir einen originalen Kartoffeldämpfer auf die Bühne gestellt, in dem Oskar Vogl sich verstecken musste. Wie im Drehbuch vorgeschrieben sollte seine Gattin den Kartoffeldämpfer anheizen. Dafür hatten wir - damit es ganz echt aussieht- Reisig und Papier zum Anzünden drapiert. Gisela zündelte also mit dem brennenden Streichholz am Reisig herum, um ein Anzünden vorzutäuschen, aber auf einmal begannen Papier und Reisig lichterloh zu brennen und mir wurde hinter der Bühne Angst und Bang: Was sollte ich machen? Schon kamen die ersten dicken Rauchwolken aus dem Ofenrohr des Kartoffeldämpfers heraus. Die Leute im Saal brüllten vor Lachen. Ich selbst saß - ganz in Sinne des Wortes - wie „auf Kohlen“ und wollte jede Sekunde auf die Bühne stürmen und dem Spuk ein Ende setzen, denn Oskar musste es langsam schon unter den Fußsohlen brennend heiß geworden sein. Aber so schnell wie das Feuer lichterloh gebrannt hatte, so schnell erlosch es wieder – Gott sei Dank. Mit weinerlicher Stimme kam Oskar aus dem Kartoffeldämpfer heraus – ganz nach Drehbuch. Die Zuschauer merkten nicht das Geringste und alle waren begeistert von der schauspielerischen Leistung der Spieler! Das Theater war ein so großer Erfolg, dass wir insgesamt vier Vorstellungen geben mussten und die Vereinskasse mit den Einnahmen gut aufstocken konnten.  

Hier möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass mein Bruder Vinzenz einer der größten Fans unseres Theaterspiels war. Er war nicht nur bei vielen Proben anwesend, sondern schaute sich alle Aufführungen – auch die Wiederholungen – an. Seine Theaterbegeisterung, die durch unser Spiel in ihm geweckt wurde, kannte keine Grenzen. Das war letztendlich auch der Grund, warum er später die Burgfestspiele in Neuhaus so sehr unterstützte. Nach seinem frühen Tod wurde ihm zu Ehren durch die Initiative der Schorndorfer Theaterspielgruppe der „Schauer-Preis“ als Kulturpreis für den Landkreis Cham ins Leben gerufen. 

Zwei Jahre später haben wir dann nochmals mit fast der gleichen Laienspielgruppe - wieder unter meiner Leitung - eine Aufführung einstudiert mit dem Dreiakter „…und da schweigt die Obrigkeit“ und dem lustigen Einakter „Die dappige Verwandtschaft“. Die Theatervorstellungen waren wie vor zwei Jahren ein riesengroßer Erfolg und so konnten wir unsere Vereinskasse mit dem Betrag von 1465 DM „Theatergeld“ füllen. 

 

 

Die ersten schwierigen Jahre nach der Gründung 

 

Am 21. Mai verstarb unser Kassier Fritz Häusler. Das war ein schwerer Schlag für unseren Verein. Mit ihm verloren wir eine große und zuverlässige Stütze. Aber das sollte nicht der einzige Schlag für den TSV in diesem Jahr bleiben. 

Im August 1971 erschien Hermann Peinkofer bei uns in der Schlossgaststätte mit etlichen Aktenordnern unter dem Arm und erklärte mir, dass er sein Amt als 1. Vorsitzender mit sofortiger Wirkung niederlege, da er in München eine neue Arbeitsstelle antreten werde und somit für den Verein nicht mehr zur Verfügung stehe. Ich war entsetzt und alle meine Einwände und Überredungskünste halfen nichts. Da die erste Jahreshauptversammlung anstand, wurde diese von mir umgehend einberufen. Sie fand Anfang September statt. Die Wahl der neuen Vorstandschaft ergab folgendes Ergebnis:  
1. Vorsitzender Josef Fuchs, der bisher das Amt des Jugendleiters von Rudi Blüml übernommen hatte, 2. Vorsitzender Arnold Tiedemann, 1. Kassier Karl-Heinz Maziuch, 2. Kassier Herbert Plötz, Schriftführerin Josefine Schauer, Jugendleiter Oskar Vogl. Als Beisitzer wurden bestimmt: August Sedlmeier, Adolf Sippenauer und Alwin Leutner. 

 

Ende Oktober 1971 wurde auf Anregung von Josef Fuchs und zahlreicher weiblicher Mitglieder eine Frauenturnabteilung ins Leben gerufen. Es war auch schon immer mein Wunsch, dass unser Verein nicht nur etwas für Männer zu bieten hatte und so freute ich mich über diese Initiative der weiblichen Mitglieder und übernahm gerne die Leitung der Stunden. Ab November fand wöchentlich einmal eine Gymnastikstunde für Frauen und Mädchen im Turnsaal der damaligen Volksschule Sattelpeilnstein statt. Ich kann mich noch gut erinnern, dass es im damaligen Sportraum, dem heutigen Pfarrsaal, keinen Parkettboden, sondern nur einen grauen Betonboden gab. Aber das tat der Begeisterung unserer „Sportdamen“ keinen Abbruch. 

 

Ganz anders sah es mit der Begeisterung unserer Fußballspieler aus, denn der ersten Mannschaft war wenig Spielerglück gegönnt. Mit 0:48 Punkten nach 24 Begegnungen nahm unser Verein den letzten Tabellenplatz in der C-Klasse Ost, Gruppe 4 ein. Man startete in ein schwieriges neues Fußballjahr. Obwohl am 19. Dezember 1971 die Leo-Elf der Münchener Abendschau mit einem Spiel gegen unsere Mannschaft die Sportbegeisterung und Fairness der Spieler würdigte und wir somit eine gewisse Berühmtheit im Landkreis Cham und darüber hinaus erlangten, blieb die Situation angespannt. 

 

Am 4. Juni 1972 fand die zweite Jahreshauptversammlung statt. Die Neuwahl der Vorstandschaft ergab folgendes Ergebnis:  
1. Vorstand Josef Pfeilschifter, 2. Vorstand Siegfried Egger, 1. Kassier Ferdinand Weber, 2. Kassier Hans Stocker, Schriftführerin Josefine Schauer, Jugendleiter Oskar Vogl, Beisitzer Josef Fuchs, Karl-Heinz Maziuch und Alwin Leutner.  

Schon bei dieser Wahl war ersichtlich, dass die große Fußballbegeisterung nicht mehr existierte. Die Wahl des ersten und zweiten Vorsitzenden war schwierig, so dass sich der damalige Pächter der Gastwirtschaft, Siegfried Egger, notgedrungen für dieses Amt zur Verfügung stellte. 

 

 

Der schwärzeste Tag in der Vereinsgeschichte  

 
Ende September - nur drei Monate nach der Jahreshauptversammlung - erschien der 1. Vorsitzende Josef Pfeilschifter bei mir und verkündete, dass er mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Vorstand zurücktrete und übergab mir seine Aktenordner. Das war für mich unvorstellbar. Was sich fast genau vor einem Jahr abgespielt hatte, wiederholte sich jetzt wieder. Ich konnte das kaum fassen. Alle meine Einwände waren vergebens und somit war ich schweren Herzens gezwungen, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Ich kündigte die Versammlung in der Zeitung und durch Aushang an und verwies vehement auf die Dringlichkeit der Situation. 

 

Die Sitzung war für 6. Oktober 1972 in der Gastwirtschaft in Sattelpeilnstein – unserem Vereinslokal - angekündigt. Als ich mit meinen Aktenordnern um 19 Uhr die Gaststube betrat, hätte mich bald der Schlag getroffen. Außer ein paar neugierigen Gästen am Stammtisch, hatte sich vom Verein des TSV nur ein Tisch von ungefähr 10 Personen eingefunden. Ich ahnte Übles und dachte, dass das vielleicht das Ende, der Untergang, unseres Vereins sei.  

Ich eröffnete die Sitzung und bat die Anwesenden um Übernahme der Vorstandschaft. Aber niemand wollte den ersten Vorsitz übernehmen. Ich überlegte, aber als Frau, noch dazu relativ jung, traute ich mir das Amt damals nicht zu. Es gab etliche Debatten, die aber zu keinem Ergebnis führten. Da hat sich Max Beer – Hausname Max Graßl – an mich gewandt. Niemals werde ich seinen Gesichtsausdruck und seine Worte vergessen. Das ist bis heute in meinem Gedächtnis eingraviert geblieben. Er sagte tiefbewegt: „Der TSV darf nicht untergehen! Ich übernehme das Amt und ich tue alles, was notwendig ist. Ich werde keine Arbeit scheuen, aber ich kann keine Reden halten und mich vorne hinstellen.“ Die Aussicht, dass jemand bereit war, dieses schwierige Amt in dieser schweren Zeit zu übernehmen und dass es weitergehen sollte, beflügelte mich. Ich versprach ihm jede Unterstützung. Wir überredeten Siegfried Egger, das Amt des 1. Vorsitzenden zu übernehmen und versprachen ihm, dass er mit keinerlei Aufgaben belastet werden würde. Unter dieser Voraussetzung war der Vereinswirt einverstanden, die 1. Vorstandschaft zu übernehmen. Von den gewählten Vorstandschaftsmitgliedern im Juni waren außer dem Vereinswirt Siegfried Egger nur der 1. Kassier Ferdinand Weber und meine Person erschienen. Aber wir drei, mit Max Beer als 2. Vorstand, waren fest entschlossen, den Verein – so gut es ging – aus dieser Krisenzeit herauszuführen. 

  

Auch das werde ich niemals vergessen, wie sehr der Max Beer sein Wort gehalten hat. Für den Verein ist er mit seinem Moped unermüdlich in der ganzen Gemeinde herumgefahren, um Spieler zu aktivieren und die Spielerpässe, die ich damals noch mit der Schreibmaschine getippt habe, an die Spieler zu verteilen. Mit großem Einsatz hat er alles getan, damit der Spielbetrieb am Laufen geblieben ist. Seine Frau hat auch für viele lange Jahre das Waschen der Sportdresse – fast zum Selbstkostenpreis – übernommen. So denke ich, dass der Familie Beer, insbesondere dem Max Beer, ein großer Dank gilt und er eigentlich als erster in der Liste der Ehrenmitglieder einen Platz verdient hätte. 

 

 

Der TSV stabilisiert sich und wächst 

 
Bei der Jahreshauptversammlung im März 1973 zeigte sich schon ein positiveres Bild des Vereins. Es war diesmal eine stattliche Anzahl an Personen anwesend. Der Verein konnte eine gute finanzielle Bilanz vorweisen. Jetzt waren auch wieder mehr Personen bereit, Verantwortung in der Vorstandschaft zu übernehmen. So konnten wir den Vereinswirt von seinem Amt als 1. Vorsitzenden „befreien“, das sich jetzt Max Beer zutraute, zu übernehmen. Das Amt des 2. Vorsitzenden übernahm Hubert Scheloske. Des Weiteren ergänzten folgende Personen die Vorstandschaft:   
1. Kassier Manfred Gammer, 2. Kassier Hans Stocker, Schriftführerin Josefine Schauer, Jugendleiter Hans-Werner Dendorfer, Beisitzer: Engelbert Schiegl, Heinz Leutner, Vinzenz Schauer. 
 

Es ging langsam aufwärts mit dem TSV. Der Sportlerball und die schon genannte zweite Theateraufführung der Laienspielgruppe des TSV wurden durchgeführt. Pokalturnier und Christbaumversteigerung brachten weitere Einnahmen für die Vereinskasse. Um die Kasse weiter aufzustocken, habe ich bei den Heimspielen damals den Wurstsemmel- und Getränkeverkauf an den Spieltagen am Sonntag übernommen. Meine Schwester Elisabeth hat mich dabei immer tatkräftig unterstützt. 

 

Bei der Jahreshauptversammlung 1974 haben sich Alwin Leutner für den 1. Vorstand und Manfred Gammer für den 2. Vorstand bereiterklärt. Alwin Leutner ist für viele Jahre der 1. Vorsitzende des TSV geblieben. Damit war endlich Stabilität und Kontinuität im Verein eingetreten und er gewann zunehmend an Wachstum. Schon 1973 wurden eine Schülermannschaft und 1974 eine zweite Mannschaft gegründet. In der neuen Spielsaison sorgte die erste Mannschaft für eine Überraschung in der C-Klasse Ost. Mit ihrem Trainer Josef Fuchs erreichten sie den zweiten Tabellenplatz. Im Spieljahr 1976/77 wurde unsere Schülermannschaft Meister. Endlich war das Tief überwunden, bis auf einen einzigen negativen Punkt in der sechsjährigen Vereinsgeschichte des TSV: Man hatte bisher den SV Wilting in keinem einzigen Spiel besiegen können. 

 

 

Das Spiel der Spiele 

 
Heute besteht zwischen den beiden Vereinen in der Gemeinde Traitsching ein reger freundschaftlicher Austausch, aber das war damals ganz anders. Damals herrschte Kampfstimmung! Die Wiltinger hatten insgeheim den Peilnsteinern nie verziehen, dass sie einen eigenen Verein gründen mussten und die Peilnsteiner hatten durch ihre ständigen Niederlagen den Wiltingern auch gezeigt, dass sie Recht haben.  

Durch fleißiges Training konnten sich die Sattelpeilnsteiner schon seit längerer Zeit immer wieder einen guten Tabellenplatz sichern und so war der TSV mittlerweile zu einem ernsthaften Gegner für den SSV Wilting geworden. Am 14. November 1976 sollte sich somit eines der dramatischsten Fußballspiele in der Vereinsgeschichte des TSV abspielen. Das seit langem von den Sattelpeilnsteinern erwartete Duell gegen den SV Wilting bildete schon Wochen vorher unter den Fußballanhängern des TSV das Diskussionsthema Nummer eins. Man ging sogar so weit, den Spielern je 50 DM bei einem Sieg zu versprechen. Trainer Josef Brandl, Oskar Vogl, Otto Kerner, Adolf Heigl und Josef Fleischmann wollten mit „Gelddoping“ die Spieler zur Höchstleistung anspornen! Was niemand im Endeffekt zu glauben wagte, traf tatsächlich ein. In einem äußerst dramatischen Spiel in Wilting, bei dem die Sattelpeilnsteiner von ihren zahlreichen Fans immer wieder mit lauten Schlachtrufen angefeuert wurden, siegte die erste Mannschaft des TSV über den SV Wilting mit 3:2 Toren. Die Torschützen Alfons Pfeilschifter, Heinz Leutner und Josef Hirschauer waren die Helden des Tages. Der Jubel war unbeschreiblich. Ich kann mich noch erinnern, dass ich selbst ganz heiser war von den Anfeuerungsrufen. Gesteigert wurde die Siegesfreude noch zusätzlich, da auch die Reservemannschaft des TSV mit 3:1 in Wilting gewonnen hatte. Es war ein großer Tag in unserer Vereinsgeschichte. Gefeiert hat man damals bis spät in die Nacht hinein und alle waren sich sicher, dass es ab jetzt nur noch bergauf mit dem TSV gehen konnte.  

 

 

Schlusswort 

 
Wenn ich heute den TSV betrachte, mit den vielen Mitgliedern, vor allen Dingen mit so vielen Jugendlichen, mit den zahlreichen Gruppierungen und Aktivitäten, dann erfüllt mich das mit großer Freude. Und ich sage mir, dass sich all die Mühen und der Einsatz in den ersten schwierigen Jahren gelohnt haben. Großer Dank gebührt allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, von denen auch schon viele auf dem Friedhof ruhen. Mit meinem Bericht über die Gründerzeit wollte ich an diese Menschen und die Ereignisse damals erinnern und mit dazu beitragen, dass sie nicht in Vergessenheit geraten. 

 

 

 

Vielen Dank „Fine“ für diesen Bericht.